Feature

Susannah Garden, Illustratorin

// Berlin, Moskau, Melbourne//

„Ein Künstler erscheint für mich als jemand, der einen unbestreitbaren Drang hat, zu erschaffen und seine Perspektive zu teilen“.

Susannah Garden Illustration

In unserem Feature möchten wir gerne jemanden Vorstellen dessen erschaffene Traumlandschaften, aus bisweilen nicht linearen und chaotischen Strukturen, uns im Wachzustand geistig anregen und dadurch die Welt etwas vielfältiger werden lässt.
Die Illustratorin Susannah Garden. Sie studierte und lebte in Melbourne und Moskau, bevor sie nach Berlin zog, wo sie derzeit als freiberufliche Illustratorin und Muralistin arbeitet. In letzter Zeit arbeitet sie an Risographen-Zines, einem Kinderbuch und unterrichtet Kunsterziehung. Sie ist auch Mitorganisatorin von Sunday Sketching Berlin – einer informellen Veranstaltungsreihe, bei der sich Menschen an den inspirierendsten Orten der Stadt treffen, um zusammen zu zeichnen.

Iconic Mirage: Wo liegt dein künstlerischer Ursprung? Gab es einen entscheidenden Impuls für deinen weiteren künstlerischen Weg oder besser gefragt. Wie hat alles angefangen?

Susannah Garden: Ich bin in meiner Familie dafür bekannt, dass ich als Kind in meinem Schlafzimmer riesige Wandmalereien mit Buntstiften schuf, alles ist nur eine natürliche Weiterentwicklung davon! Ich fühlte mich immer zu kreativen Bereichen hingezogen, Zeichnen und Malen sind Dinge, die mein ganzes Leben lang präsent waren. An verschiedenen Punkten meines Lebens wollte ich bildende Künstlerin, Filmemacherin und Straßenkünstlerin werden. Als ich in Moskau lebte, entdeckte ich schließlich die Illustration. Es fühlte sich an als hätte ich endlich mein spezifisches Fachgebiet gefunden.

Iconic Mirage: Welche Inhalte, die während des Studiums vermittelt wurden, kannst du heute in deine Arbeit integrieren?

Susannah Garden Illustration 1 Iconic Mirage

Galerie: Susannah Garden

Susannah Garden: Während meines ersten Studiums haben wir viel Kunsttheorie studiert und Themen wie Intertextualität betrachtet, die meine Arbeit oft beeinflusst. Ich mag es, auf eine Reihe von Ideen zu verweisen und Verbindungen zwischen ihnen herzustellen. Mein zweiter Abschluss (in Illustration) hat mich beeindruckt. Mir wurde der  Wert der Autorenillustration gezeigt und hat mich mein Potenzial erkennen lassen, ein Werk in einer Reihe von Einzelrollen erschaffen zu können.

Iconic Mirage: Glaubst du, dass du deinen Stil bereits gefunden hast oder arbeitest du noch an künstlerischen Ausdrucksmitteln? Wie sehr experimentierst du mit deinen Techniken?

Susannah Garden: Meine Stärke liegt in einer grafischeren Arbeit ohne klare Erzählweise. Diese Kreationen verschaffen mir das Gefühl, meinen Stil mehr oder weniger gefunden zu haben. Es ist

jedoch manchmal schwierig für die Öffentlichkeit, diese Art von Arbeit als „Illustration“ zu sehen. Meine aktuelle Herausforderung besteht darin, mehr in traditionellen Formaten für einen Illustrator zu arbeiten, wie z. B. Kinderbücher/Bücher und zu ergründen, wie man meinen Stil in dieses Format „übersetzt“. Ich liebe das Experimentieren, es ist das, was mich motiviert und begeistert zu kreieren. Wenn wir als Schöpfer keine neuen Wege gehen, leidet unsere Arbeit darunter oder wir verlieren das Verlangen zu erschaffen.

Iconic Mirage: Welcher Kunst- und/oder Stilrichtung fühlst du dich besonders nahe?

 Susannah Garden: Ich schätze die Avantgarde-Bewegungen des frühen 20. Jahrhunderts (Dada, Surrealismus, Expressionismus, Konstruktivismus), aber auch die Pop-Art und Künstler, die die Pop-Art schon etwas früher entwickelt haben, wie Robert Rauschenberg. Meinen Diplomaufsatz zum Studium schrieb ich über Outsider Art/Art brut. Das Interesse an dieser

Art von Werken und Kunst aus nicht-westlichen Ländern, ist groß.

Während meiner Zeit in Russland inspirierte mich die sowjetische Kinderbuchillustration, die mutig, experimentell und wunderschön ausgeführt ist. Zu meinen damaligen Entdeckungen gehörte auch der Moskauer Konzeptualismus und Victor Pivovarov, der übrigens auch Kinderbuchillustrator und bildender Künstler ist.

Iconic Mirage: Hast du bevorzugte Motive?

Susannah Garden Illustration 4 Iconic Mirage

Galerie: Susannah Garden

Aus irgendeinem Grund habe ich oft schwebende, driftende Elemente – Rauch, Wolken, Bänder und so weiter. Es hat vielleicht auch etwas mit dem Versuch zu tun etwas zu erschaffen das resoniert. Es ist fast unvermeidlich, dass sie sich irgendwo einschleichen.

Iconic Mirage: Hast du Vorbilder? Wenn ja, welche?

Einige der kreativen Menschen die mich inspirieren (in keiner bestimmten Reihenfolge), sind: David Lynch, Elsa Schiaparelli, Hannah Höch, Jan Švankmajer, Jean Michel Basquiat, Vladimir Nabokov und Pavel Leonov (ein russischer Außenseiterkünstler).

Iconic Mirage: Du kommst aus Australien. Hat dich dieser Umstand beeinflusst und wenn ja, in welcher Weise in deinem künstlerischen Schaffen?
Wie stark hat dich deine Zeit in Moskau beeinflusst?

Susannah Garden: Vielleicht. Illustratoren arbeiten häufiger in kleineren Formaten, aber ich liebe das Großformat. Das könnte damit zusammenhängen, dass ich mit viel Platz um mich herum aufgewachsen bin. Und viel Zeit im Umfeld von Natur und Landschaft verbracht habe. Es ist möglich, in meiner Arbeit Hinweise darauf zu finden. Meine Zeit in Moskau hat meine Arbeit (und Karriere) definitiv in eine andere Richtung gelenkt. Ein Architektenfreund riet mir damals zum Tag der offenen Tür des Design-Instituts zu gehen und ein weiterer Freund, der mich überredet hat, einen kurzen Kurs in Illustration zu machen. Beiden werde ich dafür immer dankbar sein dafür.

Iconic Mirage: Was macht einen Künstler für dich aus?

Susannah Garden: Wahrscheinlich jemand, der einen unbestreitbaren Drang hat, zu erschaffen und seine Perspektive zu teilen.

Iconic Mirage: Was war eines der schönsten Komplimente, die du für deine Kunst erhalten hast?

Susannah Garden: Ich arbeite manchmal mit Kindern. Wenn sie etwas betrachten, das ich gezeichnet habe, und sie mit aufrichtiger Überraschung und Bewunderung fragen, ob ich es wirklich gezeichnet habe, berührt es mich besonders.

Denn es ist die Aufrichtigkeit von Kindern.

Iconic Mirage: Was passiert im Moment mit deinem künstlerischen Leben, und wohin geht die Reise?

Susannah Garden: Ich denke, dass diese Art der kreativen Arbeit ein wenig wie das Sprechen einer Sprache ist. Wenn du nicht regelmäßig etwas tust, dann wirst du weniger fließend. Ich versuche also aktiv zu bleiben und regelmäßig zu zeichnen. Die Arbeit an der Verbesserung einiger schwächerer Fähigkeiten gehört auch dazu. Live-Zeichenseminare helfen mir dabei z.b. das Figuren-Zeichnen zu vertiefen. Aktuell bemühe ich mich mehr Projekte zu verwirklichen, die unabhängiger sind. Trotz der finanziellen Situation dieser Art von Projekten fühle ich mehr Zufriedenheit. Es bringt mich selbst voran. Gerade habe ich wieder angefangen, an einem Comic Projekt zu arbeiten, das im Zoologischen Museum in Moskau spielt. Es sind sehr detaillierte Tusche- und Bleistiftzeichnungen. Das Thema könnte für Kinder vielleicht etwas dunkel sein aber auf jeden Fall würde ich es in der Zukunft gerne veröffentlichen lassen.

Iconic Mirage: Danke für das Interview Susannah. Als Schlusssatz möchten wir einen deiner schönen Gedanken aufgreifen.
Es ist die Aufrichtigkeit der Kinder, die uns manchmal spüren lässt was wirklich und wahrhaftig ist. So auch in der Kunst.

Wir wünschen dir weiterhin viel Erfolg mit deiner Kunst und freuen uns auf Neues von dir.